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1954
Jeder Fußballfreund kann mit der Zahl etwas anfangen. Es war das Jahr, als Deutschland Fußballweltmeister wurde, in Bern durch einen 3 : 2 Sieg gegen Ungarn, dem ganz großen Favoriten. Es gab damals erst wenige Fernseher, wenn, dann waren sie meistens in Kneipen aufgestellt. Kleinste Bildschirme, natürlich in schwarz-weiß ausgestrahlt, alles wurde abgedunkelt, damit man überhaupt etwas sehen konnte. In unserer Kneipe "Zur Dillenburg" wurde auch ferngesehen. Wir durften aber nicht hinein damals, weil wir noch Kinder waren. Die einzige Chance etwas zu sehen, war der Blick durch ein kleines Fenster, wobei wir erst die Fensterbank erklettern mussten.
Viel spannender waren eigentlich die Life-Übertragungen im Radio. Meine Eltern und ich saßen vor dem Lautsprecher und lauschten den Reportagen von Herbert Zimmermann und Heribert Meisel.
Sobald der Abpfiff ertönt war, verließen wir Kinder auf schnellstem Wege die Wohnung und man traf sich unten auf der Straße. Wir nahmen die Namen von Fritz und Ottmar Walter, Helmut Rahn oder Toni Turek an und spielten mit großer Begeisterung das abgelaufene Spiel nach. Ich kenne noch heute die Namen der elf Spieler, die letztlich das Unfassbare erreichten. Ein Verteiliger hieß Kohlmeyer. Ich ahnte damals nicht, dass ich mit diesem Mann einmal vierzehn Jahre später in einer Betriebsmannschaft in Rheinhessen, gemeinsam Fußball spielen würde. Tatsächlich lernte ich den "Weltmeister" 1968 auf einer Sportanlage in Mainz-Mombach kennen. Er arbeitete damals in der Waggonfabrik, war schwer heruntergekommen, von Armut und Alkohol gezeichnet. Er war zwar zu Ruhm und Ehr gekommen, aber nicht zu Geld.
Die Endspielübertragung war an Dramatik nicht zu überbieten. Schnell führten die Ungarn 2 : 0 und wir gingen alle davon aus, dass es eine gewaltige Packung für die Deutsche Elf geben würde. Aber, tatsächlich kurz vor der Halbzeitpause der Anschlusstreffer durch den Nürnberger Maxl Morlock und . . . die Ungarn wurden tatsächlich nervös. Beim 2 : 2 schauten wir uns noch verwundert an. Als dann aber Helmut Rahn den Siegtreffer schoss, Toni Turek vom Reporter als "Fussballgott" tituliert wurde, schienen die letzten Minuten nicht zu Ende zu gehen. Bis dann Zimmermanns unvergessenes: "Aus! Aus! Aus! Aus! Aus! Deutschland ist Fußballweltmeister!" das Wunder von Bern Wirklichkeit werden ließ.
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