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Marschallstrasse                   Han Swalter

Marschallstrasse - Erinnerungen von Udo Knepper






Han Swalter

Der Anstreicher neben uns hatte, wie gesagt, mit seiner Frau insgesamt vier Kinder. Der Jüngste hieß Heiner, dann kam Ursel, etwas jünger als ich. Klaus, der nächste, war vielleicht 2 bis 3 Jahre älter als ich und dann kam Han Swalter, ich schätze 3 Jahre älter als Klaus. Der Älteste fing sehr früh im Betrieb von seinem Vater an, meine Freunde und ich hatten immer etwas Angst vor ihm, weil er viel größer als wir war und immer sehr grob.

Über seinen komischen Vornamen habe ich mir nie Gedanken gemacht, seine Geschwister und meine Mutter sprachen immer von: "Han Swalter". Es hat bei mir einige Jahre gedauert bis endlich der Groschen fiel. Sein Name war: Hans-Walter !

Ähnlich erging es mir mit der großen Straße in unserer Nähe, der
Wes-tring. Auch hier nur eine Frage der Betonung: West-ring!

Zurück zu den Anstreicherkindern. Klaus, der Zweitälteste, fing auch sehr früh im Betrieb vom Vater an zu arbeiten. Er hatte immer extrem lange und ausgetrocknete Finger, sicher aufgrund der ständigen Berührung mit Verdünnungsbenzin. Er hatte immer in seiner rechten Hand einen Ballen Leinöl-Fensterkitt und er verblüffte uns immer, mit welcher Schnelligkeit er damit Würste formen konnte.

Eines Tages sagte er uns eher beiläufig, dass er in den nächsten Tagen auswandern würde und zwar nach Australien! Wir haben gelacht und glaubten an einen Scherz. Er hatte nur die Volksschule besucht und kannte kein Wort Englisch.

Auf einmal war er nicht mehr da, und wirklich, wie mir seine Eltern glaubhaft versicherten, auf dem Weg nach Australien. Ich weiß heute noch nicht, wie er das damals angestellt hat, denn in meiner Erinnerung, war er damals gerade mal 18 Jahre alt.

Von Heiner, dem Kleinsten, gibt es eine Geschichte, an die ich mich noch gut erinnern kann. Eines Tages war er wohl allein zu Hause und trieb sich mit dem in etwa gleichaltrigen "Äppel" in der Werkstatt seines Vaters herum. Meine Mutter entdeckte vom Fenster in der Küche aus die beiden, wie sie stolz sich und ihr gemeinsames Werk präsentierten: In kurzer Zeit hatten sie alle vorhandenen Farbeimer geöffnet und sich selbst und einen großen Teil des Hofes und der Werkstatt angemalt! Es war wohl überwiegend nicht abwaschbare Farbe. "Äppel`s" Mutter berichtete, dass sie ihren Sohn mehrere Stunden in der Badewanne mit Petroleum abgewaschen hätte, bis die Naturfarben wieder herausgekommen wären. Von Heiners Eltern wurde die Sache "totgeschwiegen", vermutlich hatten sie ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Aufsichtspflicht verletzt hatten.



Den Text hat Herr Udo Knepper freundlicherweise zur
Veröffentlichung auf dieser Website zur Verfügung gestellt.


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