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Jener große Bach erhielt, wie Wiebekings Karte dartut, zwei Zuflüßchen, das eine kam von Siegersbusch herunter, umfloß fur-winkel, ging durch die Kuhle und den Broch und vereinigte sich hinter Grotenbeck mit dem großen Bach. Das andere Zuflüßchen kam von Haus Lüntenbeck her und floß in fast gerader Richtung durch die Flieth in den großen Bach. Ob Lüntenbeck heißen mag: Linden umsäumter Bach ? - O wie poetisch wäre diese Deutung !
Meinen bisherigen Ausführungen möchte ich noch eine kleine Ergänzung hinzufügen. An dem großen Bach war auch noch Aue, vor Kirschsiepen, und ein Marienborn, unterhalb Kirschsiepen gelegen, Siedelungen, die heute Erinnerung sind. Noch 1850 waren sie vorhanden, eine Skizze aus den Schulakten erweist dies. Aue wird von Aa abgeleitet, soll eine feuchte Niederung sein. Herzerfrischend klingt Marienborn, der Skizze von 1850 nach gelegen, wo heute etwa der Stationsgarten beginnt. Auch der Marienbronnen ist fort. Ebenso fort ist draußen, vor dem Haaner Tor die den Leib kühlende Badeanstalt Porthen. Noch rinnt unter dem abmontierten Eisenbahndamm her ein klares Wässerlein. Wer aber denkt daran, die Badeanstalt wiederherzustellen? Ist der Name Porthen überhaupt richtig? So wie er geschrieben ist, mit r, ist er unerklärbar. Lassen wir aber das r weg, so heißt er Pothen und kann alsdann durch potbrunnen, Ziehbrunnen erläutert werden und würde zur Landbeschaffenheit noch heute passen. Andere weisen auf poten, pflanzen, hin und meinen, es wäre ein bepflanztes Feld gewesen, wo Pflanzen für andere Gärten gezogen wurden. -
Wir kehren zum großen Bach zurück. Hinter Grotenbeck stehen wir am Scheideweg, insofern sich der Weg dort spaltet: geradeaus westwärts, dem groten-beek hinauf folgend vorbei an Bruch, Kirschsiepen, Krutscheid nach zur Linden wo wieder Wegteilung nach Birschels (Polnische Mütze), um den Kinderbusch herum nach Bolthausen eintritt. Wir wenden uns jedoch von Grotenbeck direkt südwärts. Es gilt zu steigen. Hügel, damals nocken, nöckel, geheißen, und Höhen vor uns. Sie erkennen das noch heute vorhandene Nocken und Dasnöckel. Immer geradeaus nach Süden würden wir nun an einer Wasserscheide (Schieten) vorüber gleich in ein Wäldchen, Klostereiche genannt und so sich selbst erklärend, gelangen und dahinter nach Gräfrath. Aber, woher kommt der Weg, den wir rechts von Dasnöckel aus der Tiefe her erspähen? Wohin führt der andere Weg, der westwärts abbiegt? Der letzte ist bald erraten und wird von den Bewohnern Dasnöckels als richtig bezeichnet, westwärts steigt es noch ein wenig an, und man ist dann auf der Höhe. Rauh ist es dort oben (Rauhenhöhe). Schafe weiden auf dem kargen Boden (Schäfershöhe). Der Siedler Engelbert (Engelshöhe) treibt da sein Tagewerk. Noch weiter auf der Höhe, zu dem schon genannten Bolthausen.
Uns reizt bei Dasnöckel der Weg in die Tiefe. Anheimelnd lugt da aus dem Busch ein Gehöft heraus. Näher gelangend, fallen uns Wassergräser auf, Binsen. Damals hießen sie bese und biese. Wir befinden uns an der Bies. Wohltuend berührt der allseitig grüne Anblick. Überrascht halten wir plötzlich, denn Rodland statt Busch liegt vor uns. Ein Stück davon ist schon umgebrochen, Braken, damit zum Ackerland bestimmt. Ein anderes großes Stück liegt schon abgestämmt da, Rottscheidt. Was ist dort aber für ein größeres Anwesen? Man nennt es uns Stackenberg, und wir sinnen, ob wir diesen Namen mit - stock - in Verbindung setzen dürfen. Stackenberg - Stockenberg, wie es heute bei Remscheid - Stöckenberg bei Solingen gibt. Alsdann würde es mit Baumstumpf gleichzusetzen sein. Stackenberg wäre der Berg, auf dem die Reste der gefällten Baumriesen gen Himmel ragen. Stimmt dies? Oder ist Stackenberg die Stelle in den Waldbergen gewesen, wo die Bewohner Stacken - Stangen - für die beliebten Stackenbuhren (Stangenbohnen) oder auch für die Zäune ihrer Kuhweide geholt hatten? Tiefersteigend kreuzen wir die Straße von Grotenbeck her und den großen Bach. Ein Wirtshaus ladet zur Rast. An der Lene lag es (heute am Ende der Gebhard'schen Fabrik).
Kohlentreiber, die auf der Kohlstraße herangekommen waren, ruhen aus, die mit den Kohlenbürden bepackten Pferde fressen und ruhen ebenfalls. Lenen sind die Schieferplatten, mit denen Dächer und Wände der bergischen Häuser benagelt werden. Ob an der Stelle Lenen hergestellt oder nur abgeladen wurden, ist nicht feststellbar. Auch will niemand mehr den Namen kennen, trotzdem er noch im Kataster 1833 und auf der Schulskizze von 1850 deutlich verzeichnet ist. Aufwärts steigt der Weg. Wir zaudern. Wieder empor? Doch! Links unten wie versteckt im Winkel, gut für Füchse, unser Heimathof vouinkel, Hasnacken auf halber Höhe, rechts eine nasse Rodung, Nathrath, oben Tesche. Zur Deutung versuchen wir es bei Tesche mit einem anklingenden Wort, das sich vielfach auf Karten vorfindet, mit Tösch. Wir setzen es gleich Tüschen, wie es als Wort und Ort heute noch oben bei Velbert nahe am Plätzchen liegt. Tüschen, Tösch, Tesch, Tesche, hieße alsdann eine erhöhte Gegend, ein Bergrücken, der "zwischen" dem Zusammenfluß von zwei Bächlein gelegen war. Kann das auf unsere Tesche zustimmen? Nehmen wir das Bächlein, das bei Hasnacken zum groten-beek und auf der Gegenseite das andere, das aus Siegersbusch zur Furth (Hahnenfurth) hinabrinnt, so liegt Tesche zwischen beiden und wäre nun in die Gegend eingestimmt. Bei Wieden erfreuen uns die saftigen Weiden. Schade, daß sich so schnell das Sandfeld anschließt. Auch Saurenhaus empfiehlt sich recht wenig, denn (sor, sur - trocken) wo es trocken ist, gedeiht wenig oder gar keine Frucht. Steinberg meiden wir gleichfalls, es ist uns zur näheren Forschung zu steinig, und es liegt auch zu abseits. Wir sind müde, sehnen uns heim. Der Weg durch die Varresbeck bringt uns angenehm nach Sonnborn zurück. -
Fluß und Land, Tiefen, Hügel und Höhen, Rodung und Busch, Einsamkeit und Siedlung haben wir eben genossen. Haben wir nichts versäumt? Die Wälder, das Oster- oder Ostholz oder auch das Holz, das der holden Frühlingsgöttin Ostera geweiht ist, den Kinderbusch, aus dem der Storch vormals die Kinder hergeholt hat, die den Vohwinkeler Müttern beschert werden sollten, die Klostereichen, den Grünewald durchstreifen wir an einem anderen Tag. Wir werden uns auch einmal in das Frankenholz nördlich von Steinberg vertiefen oder über Hammerstein den Mühlenpfad entlang nach Bollenheide und zu den Steeger Eichen wandern bis Buchenhofen (buckerhofen, bockhofen).
Heute soll hier das Ende sein . . . .
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